Die Concordia Gesellschaft Wuppertal feiert 225 Jahre – Tradition, Netzwerk und neue Pläne für die Zukunft

Die Concordia Gesellschaft Wuppertal feiert am 4. März 2026 ihr 225-jähriges Bestehen und blickt damit auf eine außergewöhnlich lange Geschichte bürgerlichen Engagements zurück. Gegründet im Jahr 1801 mit nur drei bis fünf Mitgliedern, entwickelte sich aus dem kleinen Kreis rasch ein bedeutender gesellschaftlicher Treffpunkt in Barmen und später im vereinten Wuppertal. Viele wohlhabende und einflussreiche Familien prägten die Gesellschaft, darunter die Familien Engels und Molineus, und auch Clara Schumann ist mit der Concordia verbunden. Mit dem Neubau des Gesellschaftshauses, dessen Schlussstein im Jahr 1900 gesetzt wurde, begann eine neue Epoche: 1901 wurde der imposante Bau mit einer großen Feier eröffnet, zu der rund 580 Menschen kamen – nach einem aufwendigen Fünf-Gänge-Menü folgten Konzert und ein glanzvoller Ball. Zuvor bot der ältere Saal der Concordia etwa 400 Personen Platz. 1861 war im großen Saal eine Ibach-Orgel installiert worden, die das kulturelle Profil der Gesellschaft eindrucksvoll unterstrich, jedoch wie große Teile der Innenausstattung und zahlreiche Gemälde im Bombenangriff von 1943 zerstört wurde.
Trotz Kriegsschäden und Wandel in der Stadt hat sich die Concordia viele ihrer besonderen Traditionen bewahrt. Bis heute lässt jede Direktorin und jeder Direktor nach der Amtszeit ein eigenes Gemälde anfertigen, das in den Räumen der Gesellschaft aufgehängt wird, wobei die Künstler frei gewählt werden können. Über die Jahrzehnte entstand so eine Galerie der Direktion, die zugleich eine Art Bildchronik der Concordia bildet. Die Gebäude der Gesellschaft sind von außen denkmalgeschützt, im Inneren werden sie jedoch stetig weiterentwickelt, ohne den historischen Charakter zu verlieren. Geplant ist eine Ausstellung zur Geschichte der Concordia, für die es bereits Ideen gibt, jedoch noch kein konkretes Datum. Die Aufnahme in die Gesellschaft erfolgt auf Antrag und ist mit einem Aufnahme-Ritual verbunden, das die besondere Bindung an die Gemeinschaft betont. Viele Mitglieder bringen sich aktiv ein, entwickeln neue Formate und Ideen und tragen so dazu bei, dass die Concordia nicht nur Erinnerungsort, sondern ein lebendiger sozialer Raum bleibt. Auch stadtgeschichtliche Bezüge zeigen sich an Details wie der Bismarck-Figur, die einst vor dem Barmer Rathaus stand und später vor das Haus der Jugend versetzt wurde, oder in den Debatten darüber, ob etwa das alte Kaufhof-Gebäude oder ehemalige Kinoräume für neue Concordia-Nutzungen in Frage kommen könnten.
Gegenwart und Zukunft der Concordia Gesellschaft Wuppertal sind von Modernisierung und Öffnung geprägt, ohne die Tradition zu vernachlässigen. Derzeit zählt die Gesellschaft rund 130 Mitglieder, Direktor Michael Schmidt-Russnak formuliert als Ziel, die Zahl bis Ende des Jahres auf etwa 150 zu steigern. Der Jahresbeitrag liegt bei 300 Euro, Ehepaare zahlen diesen Betrag seit einigen Jahren gemeinsam. Mitglieder profitieren von vergünstigten Mietkonditionen für die Gesellschaftsräume, etwa für private Feiern, sowie von Ermäßigungen bei Veranstaltungen und exklusiven Angeboten wie Zigarrenrunden, Bar-Events oder neuen Formaten wie einem geplanten Raclette-Abend. Etwa 20 Tage im Monat finden Veranstaltungen in der Concordia statt, die von kulturellen Abenden bis zu gesellschaftlichen Treffen reichen. Noch ist die Mitgliederstruktur eher von älteren Personen geprägt, doch das soll sich ändern: Jüngere Menschen sollen gezielt angesprochen werden, um die Concordia als Ort für Netzwerk, Kultur und Geselligkeit neu zu entdecken. Dazu gehören Kooperationen, etwa mit der Historischen Stadthalle, bei der Veranstaltungen, die dort aufgrund zu geringer Anmeldezahlen schwer zu realisieren sind, gelegentlich in den kleineren, atmosphärischen Rahmen der Concordia verlegt werden könnten. Zugleich wird über die Reaktivierung eines gemütlichen Billardraums, die Nutzung ehemals als Kino genutzter Räume und ein zukunftsfähiges Gastronomiekonzept nachgedacht – die voll ausgestattete Küche ist vorhanden, derzeit arbeiten die Verantwortlichen jedoch noch mit externen Catering-Diensten. So steht die Concordia 225 Jahre nach ihrer Gründung an einem Punkt, an dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eng ineinandergreifen: als traditionsreicher, aber offen gestalteter Ort der Begegnung im Herzen Wuppertals.
Text und Bilder: TALNEWS | Leon Wagemann
Veröffentlicht am: 14.02.2026